Die 2. Runde der Klubmeisterschaft

Für den 6. August war offiziell die zweite Runde der Klubmeisterschaft angesetzt und es sind dieses Mal wieder viele interessante Partien dabei! Viele Spieler nutzen den Vorteil, dass in einen Rundensystem schon alle Begegnungen feststehen um Spiele zu verschieben, falls es von der Zeit nicht passt. Deshalb könnte es im Verlauf dieser Klubmeisterschaft etwas unübersichtlich werden, was die aktuelle Rangliste angeht. Allerdings ist diese nach der zweiten Runde noch sehr überschaubar.

Hier ist die aktuelle Tabellenlage in der Meisterklasse:

Außerdem die Tabellenlage in der Vormeisterklasse:

Und zu guter letzt die Tabelle für die Kandidaten:

Die dritte Runde findet offiziell am 27.08 statt.

Zum Nachspielen

Nahmen Christiansen – Dirk Maleska : 0-1

Nachholpartie am 30.07. Die Eröffnung erinnert ein wenig an eine umgekehrte Aljechin-Verteidigung, Dirk verfügt über ein starkes Zentrum, welches Nahmen schon früh unter Kontrolle bringen muss, denn die Bauern lassen den Läufer auf g2 in folgenden Bild keine Chance, weit zu sehen:

Wie kann Weiß die Situation im Zentrum entspannen?

Nahmen schafft sich einige Probleme: Sein Läufer steht passiv und Nahmen’s König steht unbequem. Nichts desto trotz steht er solide, bis ihn erneut eine schwierige Entscheidung bevorsteht.

Um das Verständnis dafür zu schaffen, wie schwierig es sein kann, den richtigen Zug zu finden, betrachten wir folgendes Diagramm:

Welchen der durch die gelben Pfeile markierten Züge halten Sie für am besten und warum?

Hier den Überblick zu behalten ist schwierig. Nahmen hat einen Weg eingeschlagen, der ihn eine Talfahrt garantiert. Dirk hat (erneut) souverän im Endspiel Stärke bewiesen und konnte den Sieg heimfahren. Glückwunsch!

Guido Heinemann – Nahmen Christiansen : 1-0

Nahmen hat gerade Db4+ gespielt, Guido wird mit seiner Dame blocken.

In der Alapin-Variante des Sizilianers spielt man früh c3 mit der Intention, ähnlich wie in der spanischen oder italienischen Partie, ein befestigten Bauern im Zentrum stehen zu haben. Dieser Plan ist Guido gelungen und sein Erfolg spiegelt sich in Raumgewinn nieder. Ziemlich schnell werden viele Figuren abgetauscht und wir befinden uns im folgenden Endspiel:

Die Stellung ist ziemlich ausgeglichen, wenn ich persönlich eine Seite wählen müsste wäre ich für Weiß, da mir der größere Raum an Königsflügel und die bessere Bauernstruktur meinen temporären Entwicklungsrückstand wert ist. Allerdings muss Weiß aufpassen, da weit vorgelaufene Bauern schnell isoliert und eingesackt werden können.

Weiß hat hier f5 gespielt. Wie sollte Schwarz reagieren? Hinweis: Immer auf die Gabel aufpassen!

Nahmen steht nun auf Gewinn, allerdings muss man auch an die Uhr mitdenken, die immer gnadenlos tickt! Nach den 40. Zug ist das Endspiel ausgeglichen.

Allerdings öffnet Nahmen hier mit g4 die Tore für den Weißen König, der nur zu gerne zu seinen Bauern nach g6 prescht

Kurz danach ist es vorbei für Schwarz.

Michel Langner – Arno Urban : 1/2-1/2

Arno hat gerade Lc5 gespielt, Michel wird d3 ziehen.

Eine italienische Partie, in der nie so richtig eine Chance für ein Ungleichgewicht auf dem Brett auftauchte. Da sowohl Arno als auch Michel solche Stellungen bevorzugen und sich als Spieler sehr gut kennen, reichen sie sich früh die Hand zum Remis, als jediglich ungleichfarbige Läufer, ein sehr bekanntes „Remis-Indiz“, vorzufinden ist. Denn beide Seiten wussten, dass sie solide Stellungen spielen können, aber die taktischen und chaotischen lieber gespielt hätten!

Sascha Thomsen – Oliver Fritz : 1/2-1/2

Sascha hat gerade Ld3 gespielt, woraufhin Oliver Se4 spielen wird.

Sascha spielt das Londoner System, eine Eröffnung die er schon einige Jahre kennt. Oliver schließt früh die Spannung im Zentrum und ähnlich wie die Partie Nissen – Fritz deutet sich ein langer, positionieller Kampf an. Aber so wie in der anderen Partie ist es auch hier schwierig, irgendwo einen Durchbruch zu erlangen. Deshalb waren Sascha und Oliver mit einen Remis glücklich.

Dr. Heinz Meyer – Rainer Schwarz : 1-0

Dr. Meyer wird Dd2 spielen, woraufhin Rainer mit Da5 erwidert.

Ich freue mich immer über Grünfeld-Partien, weil die entstehenden Stellungen für mich spannend und faszinierend sind. Allerdings muss man sich auch mit den Schattenseiten dieser Eröffnung vertraut machen. In den Buch von Jonathan Rowson „Understanding the Grünfeld“ hat jener ein gesamtes Kapitel über den d-Bauern gewidmet und ihn liebevoll „Delroy“ getauft. Der Grund, warum ich persönlich die Grünfeldverteidigung meide ist genau dieser d-Bauer. Es können Mittelspiele oder Endspiele entstehen, in denen der d-Bauer unglaublich stark ist.

So ist es auch in dieser Partie gewesen: Nach einiger Klärung und Abtäuschen ist Dr. Meyer in einen etwas besseren Endspiel angekommen. Die Partie war von beiden Seiten bis zum 32. Zug sehr gut gespielt und Dr. Meyer’s Endspielstärke hat sich gezeigt. Als Rainer sich entscheidet, seinen Läufer für einen Springer zu tauschen, konnte Dr. Meyer seinen d-Bauern auf c6 umziehen. Von dort aus war er unaufhaltbar, wie folgendes Diagramm zeigt:

Weiß am Zug gewinnt

 

 

Peter Nissen – Lutz Kania : 1-0

Lutz setzt gerade seinen Springer auf d7 ab, woraufhin Peter Sf3 spielen wird.

Die Partie beginnt ruhig mit der französischen Verteidigung. Peter wählt eine Art königsindischen Aufbau mit Lg2, Lutz stellt seinen Läufer auf b7. Nach Abtausch der weißfeldrigen Läufer richtet sich die Aufmerksamkeit beider Spieler auf den Königsflügel. Die richtige Wahl für Peter, wie sich herausstellt! Denn die Dame stand am Königsflügel etwas unpassend, was folgende Taktik zugelassen hat:

Weiß am Zug gewinnt!

Peter hat die Kombination erkannt und hat als Belohnung die schwarze Dame erhalten, was Lutz zur Aufgabe brachte.

Kurt Boß – Nikolaj Bolgov : 0-1

Nikolaj wird Sxg3 spielen, Kurt schlägt mit den h-Bauern zurück.

Kurt spielt einen perfekten Londoner Aufbau. In obigen Bild gab es übrigens die folgende Lage: Nikolaj hat seinen Springer auf h5 berührt und dann eine andere Figur gespielt. Es gilt jedoch „berührt, geführt!“, eine Regel die besagt, man zieht mit der Figur, die in diesen Zug berührt hat. Wenn die Figur keine legalen Züge machen kann, wird dies als ungültiger Zug gewertet. Am Ende war es nicht zu schwer für Nikolaj, den starken Londoner Läufer zu tauschen, es ist laut Engine der beste Zug. Auf einmal öffnet sich das Spiel und es entstehen wilde Varianten wie die folgende:

Kann Weiß den Bauern schnappen, ohne dass der Läufer gefangen wird?

Kurt versucht, seinen Springer gegen zwei wichtige Bauern zu tauschen, um einen schönen Angriff auf den König zu kriegen. Allerdings hat Nikolaj eine flexible Stellung und kann auf jede Drohung von Kurt mit seiner eigenen reagieren. In folgender Stellung ist dann alles vorbei:

Schwarz am Zug gewinnt

Danach wurden noch einige Dinge probiert, die schlussendlich aber zu nichts führten.

Christian Bräunlich – Florian Tent : 0-1

Christian hat gerade rochiert, was hätte er stattdessen spielen können?

Florian erwidert Christians spanischen Angriff mit der Berliner  Verteidigung. Allerdings erlaubt Florian das Tauschen seines Springers für den Springer auf f3, was uns zu obiger Stellung im Bild führt. Mit e5 wäre Christian sehr gut aus der Eröffnung herausgekommen. Aber er wählt den sicheren Weg, was für eine solide, ausgeglichene Stellung sorgt. Christian spielt weiter solide, schafft sich damit jedoch Schwächen auf Linien, vorallem die g1-a7 Linie, wo ihre Majestät sitzt.

Florian ergreift die Initiative, schließt Linien und entgeht Figurentausch. Die daraus resultierende Stellung ist geschlossen und ausgeglichen. Bis auf einmal Christian eine Chance hat, die Verteidigung von Florian zu brechen:

Was sollte Weiß hier spielen?

Christian erkennt die Chance und das Spiel wandert zu seinen Gunsten. Auf einmal werden Figurentäusche forciert und Florian besitzt zwei zusammenhängende Freibauern auf c4 und d4. Dafür hat er jedoch einen Springer und einen Bauern gegen einen Turm tauschen müssen. Würde er sich Zeit nehmen, die Stellung zu stabilisieren, hätte Florian mit seinen beiden Freibauern gewonnen. Das Spiel geht sehr oft hin und her (ich rate dazu, die Partiekommentare zu lesen) und plötzlich befinden wir uns in einen komplett ausgeglichenen Endspiel. Nun steht Christian vor einer Entscheidung, und Entscheidungen sind in Schach manchmal extrem schwierig. Betrachten wir dazu folgende Stellung, Christian soll seinen 48. Zug ausführen:

Welcher Zug von Weiß hält Remis?

Christian greift daneben und Florian findet die konsequenteste Fortsetzung, die das Spiel gewinnt.

Gerhard Kühnen – Petra Römer : 1/2-1/2

Gerhard hat gerade e3 gespielt, woraufhin Petra e5 für das Zentrum spielen wird.

In der Trompowsky-Eröffnung hat Gerhard einen Bauern gegeben, um zwei halboffene Linien (die b- und die c-Linie) gegen den lang rochierten König zu erhalten. Gerhard’s Plan gelingt und er besitzt die Initiative, trotz einiger ungenauen Stellen hier und da. Der geopferte Bauer wird zurückgewonnen und wir erreichen ein Spiel mit ungleichfarbigen Läufern. Hier gilt das Prinzip, dass die Seite mit einen Angriff und damit der Initiative besser dar steht. Das ist in diesen Fall Gerhard. In folgender Stellung hätte er den Sack zu machen können:

Weiß am Zug gewinnt. Hinweis: Es ist ein Matt in 9!

Weiß besitzt weiterhin einen starken Vorteil, aber beide Spieler einigten sich auf Remis.

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