Die 8. Runde der Klubmeisterschaft

Über die Vereinsabende hinaus gab es wieder spannende Entscheidungen in der Klubmeisterschaft. Gespielt wurde am 27.11 und am 04.12.  Nachdem nach gut zwei Wochen die Vormeisterspiele mehr oder weniger durch sind, lichtet sich auch die Lage bei der Meisterklasse. Es gibt schon fast eine Vorentscheidung, denn Benjamin ist mit satten 6.5 aus 8 Punkten klar vorne und kann theoretisch nurnoch von Henrik Andresen überholt werden. Damit ist Benjamin der zweite Platz schonmal sicher! Grund dafür ist der wichtige Sieg gegen Erik Andresen in einer sehr spannenden Partie. Vielleicht bringt das schon die Vorentscheidung? Hinter ihm gibt es ein enges Feld: Holger, Henrik und Dirk haben jeweils 5 Punkte, gefolgt von Michel mit 4 Punkten. Wer die ersten drei Plätze belegt, ist daher noch offen.

In der Meisterklasse gab es Nachholpartien, weshalb einige Spieler hier doppelt aufgelistet sind. So hat Henrik Andresen gegen Guido souverän gepunktet und gegen Holger ein Unentschieden erreicht. Erik hingegen durfte sich doppelt freuen mit einen Sieg gegen Jürgen und Nahmen. Oliver hat zwei mal Remis gespielt gegen Jürgen und Guido. Dirk hat sich ebenfalls mit zwei Remis freundlich getrennt in den Partien gegen Nahmen und Michel. Sie sehen, es ist etwas sehr unübersichtlich! Dagegen hilft das Bild der aktuellen Tabelle.

Als vorletzte Partie der Vormeisterklasse gewann Florian in einen Spiel mit Höhen und Tiefen schlussendlich doch gegen Nikolaj.

In der Vormeisterklasse fehlt also nur noch die Partie Jacobsen – Thomsen, die nicht zu vernachlässigen ist! Denn diese entscheidet, wer den zweiten und dritten Platz in der Vormeisterklasse für sich beanspruchen darf.

Zum Nachspielen

Meisterklasse

Erik Andresen – Benjamin Isler : 0-1

Partie vom 26.11. Aus dem unscheinbar sorglos wirkenden Tarrasch-Franzosen entwickelt sich eine wilde Angriffspartie: Erik mit kurzer Rochade und Benjamin mit langer Rochade. Dieses Spiel ist recht scharf und es gab viele „einzige Züge“, weshalb sie so sehenswert ist. Am Ende hatte Erik das Nachsehen, wobei es eine tolle Leistung beider Spieler war.

Diese Partie wurde freundlicher Weise von Henrik Andresen kommentiert, der in seinen Anmerkungen etwas gegen den heutigen „Engine-Wahnsinn“ Hiebe austeilt. Und das zu Recht! Erinnern wir uns an das 6. Spiel der diesjährigen Weltmeisterschaft – was hat Fabiano Caruana nicht für Kritik erhalten, dass er ein Matt in 68 Zügen übersehen hat! Auch wenn diese Kritik (hoffentlich) meistens ironisch gemeint war, spiegelt sich ein ähnliches Bild heutzutage häufiger wieder.

Deshalb, bevor Sie die Partie genießen, noch einmal ein Apell: Bitte erst selber nachdenken, dann die Engine benutzten! Dadurch lernt man selber auch viel mehr.

 

Holger Martens – Henrik Andresen : 1/2-1/2

Holger spielt gegen Caro-Kann-Partie ein frühes g3, was ich sonst nur aus Königsindischen Angriffssystemen kenne. Nichts desto trotz ist vieles spielbar, wie man bereits wissen sollte! Beide Spieler setzen nicht auf direkte Besetzung des Zentrums, sondern „springen“ mit ihren Gaulen herum, um die Felder zu besetzen. Es bietet sich eine taktische Gelegenheit, um ein Ungleichgewicht im Material zu haben: Sehen Sie selbst:

Danach wurden zwei Figuren für Turm und zwei Bauern getauscht. Eine äußerst interessante Koalition, wo in der Regel Weiß mit Zwei Figuren mehr spiel hätte, was eventuell der Mehrbauer damit kompensiert. Doch so schnell ich beim Nachspielen dachte, dass es interessant werden könnte, so schnell einigten sich die Spieler auf Remis.

Henrik Andresen – Guido Heinemann : 1-0

Nachholpartie der 7. Runde am 30.11. Guido, der sonst gerne in taktischen Kämpfen aufgeht, wählt hier einen etwas defensiveren Stil. Dadurch wird Henrik nahezu verleitet, in die offensive zu gehen. Da ich selber viel lieber die weiße Seite von solchen Spielen anstrebe, finde ich es schwer zu erkennen, wo Guido etwas hätte besser machen können. Henrik hatte einen leichten aber tödlichen Plan verfolgt, gegen den es objektiv schwer ist, gegenzuhalten. So wurde Guido langsam aber sicher in die Ecke gedrängt.

Dirk Maleska – Michel Langner : 1/2 – 1/2

Michel wird gleich seinen Springer auf f5 platzieren, woaruf Dirk Sd2 antworten wird.

Nachholpartie aus der 5. Runde. In der Vorstoß-Variante des Caro-Kann findet Michel einen mehr oder weniger kreativen Weg, die g-Linie zu öffnen. Jedoch hält Dirk gut dagegen, stellt seine Figur auf die halboffene Linie und blockiert diese damit. Im Verlaufe des Spiels hätte Dirk dann seine Aufmerksamkeit auf den Damenflügel legen können. Jedoch wird auch dort bald alles dicht gemacht, sodass nach 29 Zügen nicht ein einizger Bauer vom Brett ging! Eine interessante aber zugesperrte Stellung, die man nicht allzu oft sieht.

Nahmen Christiansen – Dirk Maleska : 1/2-1/2

Nahmen eröffnet mit c4, was sich alsbald zur Englischen Eröffnung entwickelt. Nahmen baut auf ein Doppelfianchetto der Läufer, Dirk auf schnelle Besitzergreifung der d-Linie. Das Spiel ist ohne relativ viel Feuerwerk in ein für beide Seiten verdientes Remis geendet. Ich habe jedoch eine Variante entdeckt, die das Spiel vielleicht interessant entstanden wäre. Was kann Schwarz hier spielen?

Der normale Partieverlauf ist zwar ruhig, aber trotzdem interessant von statten gegangen.

Erik Andresen – Nahmen Christiansen : 1-0

Erik spielt hier De3. Was hätte Nahmen darauf antworten können?

Nachholpartie der 5. Runde am 27.11. Wir finden uns in einen klassischen Sizilianer wieder, welche generell für eher schärfere Partien spricht. So ist es auch hier gewesen, da Erik lang und Nahmen kurz rochiert haben. Eine Kampfansage! Jedoch hat Erik vorher etwas daneben gegriffen. Ein natürlich aussehender Zug hätte bei korrekten Spiel bestraft werden können.

Schwarz ist hier am Zug, was würden Sie spielen? Die Auflösung finden Sie wie immer in der Partie!

Nahmen schafft sich im Verlaufe des Spiels einen Isolani, den er aber sehr gut halten kann. Das Spiel ist lange Zeit ausgeglichen, doch dann greift Nahmen derbe daneben. Wahrscheinlich war es die Uhr, die Nahmen zu so einen groben Schnitzer verleitet hatte. Schade!

Jürgen Nickel – Erik Andresen : 0-1

Nachholpartie der 7. Runde am 30.11. In einen Königsindischen System wählt Erik ein Doppelfianchetto und ist in „Lauerstellung“, während Jürgen etwas am Damenflügel expandiert. Erik entscheidet sich, am Königsflügel aktiv zu werden und kann über einige Tempozüge Jürgens Figuren an ungeeignete Felder platzieren. Weiß hat eine unharmonische Aufreihung der Figuren, was in folgender Abfolge fatal wurde:

Schwarz zieht hier und nutzt über eine Abfolge die Position des Turms auf a2 aus. Können Sie es sehen?

Die Auflösung gibt es beim Nachspielen:

Jürgen Nickel – Oliver Fritz : 1/2-1/2

Oliver antwortet mit Damenindisch auf Jürgens Aufstellung. Tatsächlich ist die Stellung ziemlich symmetrisch, da auch Jürgen ein großer Fan des Damenindischen Aufbaus ist. Bekannt in solchen Strukturen ist es, die Figuren erst ein wenig hin und her zu schieben, um dann plötzlich zu aggieren. So wird auch hier erst im 13. Zug die erste Figur getauscht. Anfangs hatte Oliver gute Karten, vergibt aber seinen Vorteil. Der Rest der Partie, mit einen paar Schönheitsfehlern hier und da, anstandslos und friedlich zuende gegangen.

Oliver Fritz – Guido Heinemann : 1/2-1/2

Oliver wird hier Sc3 spielen, worauf Guido mit Le6 antwortet. Links daneben die Partie Erik Andresen – Nahmen Christiansen

Vorgezogene Partie der 9. Runde am 27.11. In der Tarrasch-Variante des Damengambits war Guido so freundlich Oliver gleich zwei Bauerngeschenke anzubieten. Oliver lehnte diese jedoch dankend ab und genießte trotzdem vorteilhaftes Spiel. Dieses gibt er auch nicht aus der Hand. Jedoch war es wohl aus Olivers Sicht nicht ausreichend, um für einen Sieg zu kämpfen. Vielleicht war die Zeit wieder ein Faktor. Mit einen Remis kann er sich als DWZ-Schwächster der Gruppe aber auf jeden Fall zufrieden geben.

 

Vormeisterklasse

Nikolaj Bolgov – Florian Tent : 0-1

Ein tückisches Endspiel! Florian zieht seinen Springer auf c4 zurück. Jürgen Nickel kiebitzt.

Falls jemand denkt, die Spiele der Vormeisterklasse seien nicht interessant, den kann ich hiermit vielleicht überzeugen! Ja, eigentlich hätte Florian nach den 9. Zug den Sieg sicher nach Hause bringen sollen und gibt den Vorteil mit Zinsen zurück. Das schließt jedoch nicht aus, dass ein schönes Endspiel mit vielen Tricks entstanden ist.

Wenn Sie mir immernoch nicht glauben, schauen Sie einmal auf diese Stellung: Was sollte Schwarz tun, um mit Remis davon zu kommen?

Es folgt nun eine Variante, in der ein Stellungsmuster entstanden ist, was ich selber nicht kannte. Vielleicht kann es für Sie auch lehrreich sein. Wo darf der Weiße König bzw. der Schwarze Springer nur hin, damit diese Stellung Remis bleibt? Bei falschen Spiel gewinnt Weiß, also: Üben lohnt sich!